IG Wiebachtal - Der Verein

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Waldpädagogik

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sabine Fuchs

 

Die Gedanken und Intentionen zum „Waldtag“, der jeden Freitag mit den Vorschulkindern des Lore-Agnes-Kindergartens durchgeführt wird, stammen von Frau Heide Lorenz, ehem. Leiterin des Kindergartens, die bis Mai 2012 Ansprechpartnerin für das Thema „Waldpädagogik“ war.



 

Bei Wind und Wetter im Wald spielend lernen, in einem Spielraum ohne Wände und Türen. So könnte man die Absicht zum Waldtag kurz umreißen.

 

Viele Kinder wissen heute gar nicht mehr wie es sich anfühlt, bei Wind und Wetter draußen zu sein. Sie sitzen häufig zu lange im Auto, vor dem Fernseher oder dem Computer.

Im Wald zu spielen, die Natur zu erleben, sowie Spiele selbst zu erfinden und das Spielzeug selbst herzustellen, das ist für viele Stadtkinder heute nicht mehr möglich. Darum ist es notwendiger denn je, den natürlichen Spiel- und Lebensraum Wald in die pädagogische Arbeit einzubeziehen.

 

Das Spielen im Wald bietet optimale Voraussetzungen zur Entwicklung und Förderung der kindlichen Persönlichkeit. Die eigenen Hände werden zum Werkzeug für die Kinder, beim Bauen von Buden/ Höhlen, dem Errichten von Dämmen und dem Ausgraben von Steinen und abgestorbenen Wurzeln werden manuelle Fähigkeiten gefördert und gestärkt. Die eigenen Fähigkeiten und auch Grenzen können erfahren werden. Ausdauer, Krafteinsatz, Geschicklichkeit, Körperspannung und -steuerung werden erprobt und erweitert.

Der natürliche Bewegungsdrang kann in ausreichendem Maße ausgelebt werden. Laufen, eine steile Böschung hinunter rutschen, über Wurzeln springen, über Baumstämme balancieren, klettern und rennen macht zudem viel Freude.

 

Die Intuition und die Phantasie der Kinder werden durch die Vielfältigkeit der Natur besonders angesprochen und dadurch auch gestalterische Kräfte geweckt. In Rollenspielen und konstruktiven Spielen kommt zum Einsatz, was der Wald für sie bereithält. Wurzeln, Äste, Zweige, Zapfen Rindenstücke, Bucheckern, Eicheln Kastanien, Steine, Laub und Moose und vieles mehr geben den Kindern mehr Spielmöglichkeiten, als vorgefertigtes Spielzeug.

 

Kindern soll ein positives Verhältnis zur Natur vermittelt und das Neugierverhalten unterstützt und gefördert werden. Was Kinder schätzen lernen, werden sie später auch schützen. Erst wenn ein Kind erfährt, das ein Baum Schatten spendet und vor Regen schützt, wird es ihn wertschätzen. Um diese Erfahrung machen zu können, braucht das Kind Freiräume und Gelegenheiten zu Beobachtungen und Entdeckungen. So kann der Wald als Lebensraum kennen gelernt und wahrgenommen werden. Den jahreszeitliche Wechsel und die damit verbundenen Veränderungen in der Natur können die Kinder erleben. Diesen permanenten Wandel erfahren die Kinder intensiver durch den regelmäßigen wöchentlichen Aufenthalt im Wald, sodass sie sich als Teil der Natur begreifen können und Achtsamkeit ihr gegenüber entwickeln.

 

Unmittelbares Erleben, eigene Erfahrung mit allen Sinnen geben Selbstwertgefühl und emotionale Stabilität. Ein Tag im Wald schult alle Sinne:                                                      

Das Riechen der frischen Erde, des trockenen Grases, der Blumen und des Regens, das Fühlen von Moosen, Steinen, Rinden, Lehm und Wasser, das Hören von Blätterrauschen , Knacken der Äste, Plätschern des Wassers und Zwitschern der Vögel und das Sehen, dass der Wald sein Gesicht täglich verändert, dass des Morgens die Farben des Waldes anders erscheinen als am Mittag, wie sich Farben durch Licht und Schatten verändern können. Es gibt kaum eine natürlichere Form der Wahrnehmung als in der Natur.

 

Um das aufnehmen zu können, wird etwas benötigt, was in unserer Zeit selten geworden ist, die Stille. Sie ist von unschätzbarem Wert für die allgemeine Differenzierung des Wahrnehmungsvermögens, dem Finden von seelischer Stabilität durch innere Ruhe und Förderung der Konzentrationsfähigkeit. Gerade der Wald ist ideal, Stille zu erleben und diese auf das Gefühl einwirken zu lassen. Die erholsame Umgebung stärkt die körperliche und seelische Gesundheit. Bei Wind und Wetter draußen zu sein, mobilisiert auch die körpereigenen Abwehrkräfte und stärkt das Immunsystem.

 

 

 

Heide Lorenz

ehem. Leiterin des Lore-Agnes-Kindergartens in Radevormwald